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Ein Schutzengel in Orange.

RailClean-Mitarbeiter Ylysi Gashi sorgt seit Jahren mit seinem Team für Sauberkeit am Bahnhof Basel. Kürzlich leistete er jedoch während seiner Arbeitszeit einen Einsatz ganz anderer Art: Er hat einem Menschen das Leben gerettet. Was genau passierte, erzählt er gleich selber.

«Es war Freitag und meine Nachtschicht hatte grad angefangen. Am Bahnhof waren nicht viele Leute, nur einige Nachtschwärmer und Heimreisende. Ich hatte mich soeben um den Abfall gekümmert. Es war etwa 22.15 Uhr. Ich fuhr mit den leeren Containern auf dem Perron neben Gleis 4. Dann sah ich plötzlich etwas Dunkles auf Gleis 5 liegen. Ich musste drei Mal hinschauen. Dann realisierte ich, dass es ein Mensch war. Er war schwarz angezogen und bewegte sich nicht. Sofort hielt ich an und stieg aus.

Ich blickte auf die Uhr und die Anzeigetafel. Dann sprang ich runter aufs Gleis. Der Mensch war ein junger Mann. Vielleicht wollte er das Gleis überqueren und ist ausgerutscht. Er schien verwirrt und konnte nicht aufstehen.

Mit meinem Handy alarmierte ich rasch Securitrans. Die liessen sofort bei der operativen Betriebszentrale Basel die Gleise 4 und 5 sperren. Und gleichzeitig schickten sie zwei Kollegen los. Ich konnte den Mann nicht alleine hochheben, denn er war gross und schwer. Zum Glück waren die zwei Mitarbeiter von Securitrans in weniger als einer Minute bei mir. Sie kamen von der Passerelle und rannten die Treppe runter. Ich hatte das Gefühl, die kamen geflogen, so schnell waren sie da.

Gemeinsam konnten wir den Mann hochheben und vorsichtig aufs Perron tragen. Das hätte doch jeder gemacht, oder nicht? Wenn jemand auf den Gleis liegt, dann überlegst du nicht lange, dann hilfst du einfach. Das ist selbstverständlich.

Wir legten den Mann an einer geeigneten Stelle aufs Peron. So schützen wir ihn auch vor neugierigen Blicken. Diskretion finde ich wichtig in so einer Situation. Die Polizei und die Ambulanz waren schon unterwegs. Die Gleise konnten wieder freigegeben werden und die Züge fuhren nach Fahrplan. Der gerettete Mann konnte sich an nichts erinnern. Er wurde mitgenommen, ich glaube man brachte ihn ins Krankenhaus. Mehr weiss ich nicht. Mehr muss ich auch nicht wissen, schliesslich geht es mich nichts an.

Ich bin froh, dass dieser Mann noch lebt. Es war Glück, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und ich danke den Mitarbeitenden von Securitrans, die unglaublich schnell zur Stelle waren. Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren bei der SBB. Angefangen habe ich am 1. März 1989, das weiss ich noch genau. Damals war ich noch im Rangierbetrieb. Aber so etwas wie an diesem Freitag ist mir noch nie passiert.

Ich habe mich schon gefragt, was geschehen wäre, wenn ich nicht genau dann beim Gleis 4 vorbeigekommen wäre. Zwei oder drei Minuten später wäre dort ein Zug durchgefahren. Aber bringt es etwas, sich lange mit solchen Fragen zu beschäftigen? Nein, finde ich. Um 6 Uhr morgens nach der Schicht habe ich meiner Frau erzählt, was geschehen war. Damit war die Geschichte für mich abgeschlossen.

Vom geretteten Mann habe ich nichts mehr gehört. Aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Ich hoffe einfach, dass es ihm gut geht. Die Gesundheit ist das Wichtigste, oder nicht?»

Von Nadia Meier.
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