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Faktenblatt FV-Dosto (16.12.2016).

  • Für rund 1,9 Milliarden Franken kauft die SBB 62 Doppelstockzüge für den Fernverkehr. Die Züge werden künftig mehr Sitzplätze und ein besseres Angebot auf der West-Ost-Achse schaffen.
  • Bis anhin ist das Projekt über 3 Jahre verzögert (Gründe siehe Frage 7. unten). 
  • Wir prüfen die Qualität und die terminliche Situation im Projekt laufend systematisch.
  • Wir halten eine Zulassung der Züge per Sommer 2017 für möglich. Aus Erfahrung ist – wie bei allen Flotteneinführungen – mit Kinderkrankheiten zu rechnen. 
  • Die SBB wird die Züge in der zweiten Hälfte 2017 ertüchtigen und so bald wie möglich in den gelenkten Betrieb gehen. Das heisst, die Züge verkehren mit Kunden, sind aber nicht fix im Fahrplan eingeplant. Die SBB wird keine Kompromisse bei der Qualität eingehen und keine Experimente mit Kunden machen.
  • Der FV-Dosto wird eigenwirtschaftlich finanziert. Es ist nicht richtig, dass dieses Rollmaterial aus Steuergeldern bezahlt wird. Sollte der FV-Dosto weitere Verzögerung erhalten, werden weitere Konventionalstrafen fällig.

Fragen und Antworten.

1. Wie teuer kommt den Steuerzahler die entstandene Verzögerung?

  • Der FV-Dosto wird eigenwirtschaftlich finanziert. Die Finanzierung des Fernverkehr-Rollmaterials erfolgt aus dem laufenden Geschäft der SBB. Es ist nicht richtig, dass dieses Rollmaterial aus Steuergeldern bezahlt wird. 
  • SBB und Bombardier haben sich im November 2014 auf eine neue Lieferplanung verständigt. Hierfür hat die SBB drei zusätzliche Züge sowie Ersatzmaterial erhalten.
  • Sollte der FV-Dosto gegenüber der 2014 vereinbarten Lieferplanung weitere Verzögerung erhalten, werden weitere Konventionalstrafen fällig und Schadenersatzansprüche können geltend gemacht werden. Über die Höhe haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.
  • Weitere Kosten, welche nicht über Konventionalstrafen oder Schadenersatz gedeckt wären, würden auch nicht den Steuerzahler belasten, sondern den Gewinn der SBB schmälern und damit den unternehmerischen Handlungsspielraum für Investitionen beeinträchtigen.
  • Sodann erfolgt ein Grossteil der Zahlungen erst bei vertragskonformer Lieferung der Züge.

2. Wie hoch sind die von der SBB intern erwarteten Mehraufwände, ...

... bedingt durch die mehrjährige Verspätung?

  • Wie bei solchen Beschaffungen üblich, hat die SBB mit Bombardier für Mehraufwände aufgrund verspäteter Lieferungen Strafzahlungen vereinbart. Diese sind an klar definierte Kriterien geknüpft. 
  • Die Parteien haben über die genauen Inhalte des Werkliefervertrags Stillschweigen vereinbart. 

3. Anscheinend klappt es nun auch nicht mit einem Einsatz der ...

... Züge per Fahrplanwechsel im Dezember 2017. Was sagen Sie dazu?

  • Eine Zulassung per Sommer 2017 scheint aus unserer Sicht möglich, aus Erfahrung ist – wie bei allen Flotteneinführungen – jedoch mit Kinderkrankheiten zu rechnen. Diese könnten zu Verzögerungen beim geplanten Einsatz führen.
  • Die SBB wird keine Kompromisse bei der Qualität eingehen und nur mit ausgereiften Fahrzeugen in den Betrieb gehen. Es gibt keine Experimente mit Kunden.
  • Wenn die Züge zugelassen sind und die Qualität stimmt, übernimmt die SBB die Züge und setzt diese ein. 

4. Was heisst Zulassung der Züge? Können Sie danach nicht fahren?

  • Die Zulassung ist die Bestätigung des Bundesamts für Verkehr, dass das Fahrzeug sicher verkehren kann. 
  • Das sagt aber noch nichts über die Zuverlässigkeit / Betriebstauglichkeit des Fahrzeugs. Deshalb wird die SBB im zweiten Halbjahr umfangreiche Ertüchtigungsfahrten durchführen. 

5. Was sind die Kundenvorteile der FV-Dosto?

  • Mehr Sitzplätze 
  • Steckdosen an allen Sitzplätzen in der 1. und 2. Klasse 
  • Modernste Handyrepeater fürs Telefonieren und Internetzugang 
  • Attraktiver Familienwagen und modernes Restaurant in den Fahrzeuge im IC-Charakter 
  • Helle und geräumige WCs. In den rollstuhlgängigen WCs und beim Familienwagen mit Wickeltisch 
  • Modernes Kundeninformationssystem 
  • Videoüberwachung und Notrufsystem zur Sicherheit der Reisenden 
  • Druckertüchtigung: geringere Druckwellen und weniger Ohrendruck u.a. in Tunnels

6. Wo werden die Züge in den Einsatz kommen?

  • Zuerst auf der Ost-West Achse zwischen St.
    Gallen und Genf. Später auch auf anderen Strecken.

7. Weshalb sind die Züge bereits drei Jahre verspätet?

  • Die Gründe für die ersten zwei Jahre wurden am 27.04.2012 kommuniziert: Weitere Infos.
  • Ein zusätzliches Jahr wurde am 19.11.2014 kommuniziert: Weitere Infos.

8. Was passiert, wenn die Züge noch später kommen als ...

... angekündigt? Was haben Sie als Ersatz?

  • Unsere Kundinnen und Kunden werden aufgrund der bereits entstandenen Verzögerung länger als geplant mit bestehendem Rollmaterial unterwegs sein. Dabei handelt es sich grösstenteils um modernisierte Züge (z.B. IC2000 anstatt FV-Dosto, EW IV/EC/Bpm51 anstatt IC2000 etc.). Nur sehr vereinzelt kann es sein, dass älteres Wagenmaterial zum Einsatz kommt. Die SBB hat deshalb bereits vor Jahren in die Modernisierung ihrer bestehenden Flotte (Bsp. Bpm51) investiert.
  • Die SBB kann noch bis Ende 2018 mit verspäteter Ausrangierung von Altfahrzeugen „überbrücken“. 

        

Bisherige Meilensteine.

  • Vergabe, 12. Mai 2010: Die SBB löst die grösste Rollmaterialbestellung ihrer Geschichte an Bombardier-Transportation aus: Den Auftrag für 59 Doppelstockzüge für den Fernverkehr, davon 50 Kompositionen à 200 Meter und 9 Kompositionen à 100 Meter Länge. Das Auftragsvolumen beträgt rund 1,9 Milliarden Franken. Dem Entscheid ging ein aufwändiges Ausschreibungsverfahren nach internationalen Verträgen und Schweizer Gesetzgebung voraus.
  • Maquettenphase (erstes Halbjahr 2011): Um den Innenausbau möglichst perfekt auf die Kundenbedürfnisse abzustimmen, haben Bombardier und SBB vorgängig ein 1:1-Holzmodell gebaut. Sämtliche benutzernahen Bereiche des neuen Zuges wurden darin dargestellt. Anlässlich von Führungen durch die Maquette haben im ersten Halbjahr 2011 über 200 Fachpersonen mehr als 1000 Anregungen zur Optimierung des Gesamtkonzeptes eingegeben.
  • Verspätung, April 2012: Bombardier und SBB melden zwei Jahre Verzug, zum einen aufgrund von Problemen bei der Konstruktion des Wagenkastens und der aufwändigen Maquettenphase. Zum anderen aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts nach einer Beschwerde von einzelnen Behindertenverbänden. Diese forderten ein zusätzliches Behindertenabteil und einen Lift in den Speisewagen. Zwar gibt das Bundesgericht der SBB nach einem Weiterzug des Urteils recht, für das Projekt kommt dieser Entscheid aber zu spät.
  • Neuer Lieferplan, November 2014: Bombardier und SBB einigen sich auf einen neuen Lieferplan. Die Züge sollen ab 2017 in den Einsatz kommen, rund ein weiteres Jahr später als geplant. Bis 2020 soll der Rückstand aufgeholt werden. Der neue Lieferplan ist Teil eines Gesamtpakets, das die offenen Punkte zur bisher entstandenen Verzögerung klärt. Im Rahmen der Vereinbarung akzeptiert die SBB von Bombardier drei zusätzliche, kostenlose Züge sowie Ersatzteile unter der Bedingung, dass die Qualität der Testzüge im Frühling 2015 die Anforderungen der SBB erfüllen.
  • Testzüge, Mai 2015: Die beiden ersten Testzüge hatten die vereinbarten Anforderungen erfüllt. Seit dann Testfahrten in Velim/Tschechien und auf dem SBB-Netz.

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